Web-Seminare

Im Mai startete der Aufruf „Es ist höchste Zeit für eine ernsthafte politische Debatte über die Einführung des Grundeinkommens“.
Über 170 Prominente aus Politik, Kirche, Kultur und Kunst, Wissenschaft, Wirtschaft und mehr als 30 zivilgesellschaftlichen Organisationen haben ihn unterzeichnet. Den Hintergrund für den Start des Aufrufs haben die Initiator*innen in einem Beitrag im Freitag erläutert.

Wir möchten in einer Web-Seminar-Reihe prominenten Unterzeichner*innen die Möglichkeit geben, ihre Gründe für die Unterzeichnung darzulegen. Ebenso möchten wir den anderen Teilnehmenden ermöglichen, mit diesen ins Gespräch zu kommen. Die Reihe findet immer am vierten Mittwoch im Monat um 18 Uhr statt.

Wir laden zu den öffentlichen Web-Seminaren herzlich ein.
Das Web-Seminar findet bei „senfcall“ statt. Die Einwahldaten finden Sie demnächst hier.

24. Juni, 18.00-19.00 Uhr
Es ist Zeit für eine ernsthafte Debatte über die Einführung des Grundeinkommens
Gespräch mit Andrea Vetter (Transformationsforscherin) und Mag Wompel (Soziologin und Journalistin):
Andere Arbeit, erneuerte Sozialsysteme, bedingungsloses Grundeinkommen?

Eine naheliegende Frage für die Transformationsforscherin wäre, ob gegenwärtig Veränderungsprozess stattfinden, die Bereiche betreffen, die sich ohnehin ändern müssen, wenn es zu einer anderen Art Gesellschaft gehen soll. Und der Industriesoziologin werden hier sofort die Arbeitsverhältnisse einfallen, die in einem massiven Wandel begriffen sind. Zunehmende prekäre (Solo-)Selbstständigkeit wird heute zu Recht als Problem wahrgenommen, ist aber doch gleichzeitig, wie wir in der BGE-Bewegung immer ebenfalls zu Recht betont haben, der Einstieg in selbstbestimmteres, kreativeres Arbeiten. Liegt also in diesem zunächst zerstörerisch erscheinenden Prozess, der durch die aktuelle Coronakrise nochmals verschärft werden wird, letztlich ein emanzipatorisches Potenzial? Bringt uns das Ganze womöglich einem bedingungslosen Grundeinkommen näher?

22.7.2020, 18.00-19.00 Uhr
Gespräch mit Dr. Daniela Gottschlich, Nachhaltigkeits- und Politikwissenschaftlerin, diversu e.V., und Prof. Dr. Aram Ziai, Entwicklungspolitik und Postkoloniale Studien, Universität Kassel
Diversität, Kolonialismus, Grundeinkommen

Es hat sich herumgesprochen: Die Art und Weise, wie wir Menschen in der Welt sind und in ihr wirtschaften, muss sich ändern. Aber dabei geht es nicht nur um die Ökologie, die Zerstörung des Klimas, der Artenvielfalt und von was sonst allem, sondern auch und gerade um unsere Gesellschaften und ihre Ein- und Ausschlüsse. Wo wir es uns in unserem vom Kapitalismus tief durchdrungenen Lebenszusammenhängen bestenfalls angewöhnt haben, von Rücksichtnahme auf Minderheiten zu reden, werden tatsächlich umfassend Mehrheiten von der Perspektive auf ein gutes Leben ausgeschlossen, Frauen, BIPoC, Arme, Kinder und Jugendliche…

Könnte ein bedingungsloses Grundeinkommen daran etwas ändern? Hat es damit überhaupt etwas zu tun? Was bedeutet es für unsere Frage, ob man das BGE als ein weltweites oder als ein nationales Projekt versteht? Eröffnen sich da Perspektiven einer weltweiten Umverteilung, gar einer ökonomischen „Wiedergutmachung“ für den Kolonialismus? Und was ist der Unterschied zwischen einem BGE als wirtschaftsbürgerlichem Grundrecht und einer armutspolitischen Maßnahme?

26.08.2020, 18.00-19.00 Uhr
Gespräch mit Prof. Dr. Tilman Santarius, Sozial-ökologische Transformation, Freie Universität Berlin, und Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn, MdB, Volkswirt
Ökologie, Transformation, Grundeinkommen

In der Ökologiebewegung gibt es sehr widersprüchliche Vorstellungen über die Bedeutung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Schon vor vielen Jahren formulierte ein Mitarbeiter des Wuppertal-Instituts und Mitverfasser von deren Nachhaltigkeitsstudie, dass das soziale Problem derart drängend sei, dass ohne dessen Lösung durch ein BGE es gar keine Chance gebe, die ökologische Transformation politisch zu bewältigen. Und ebenfalls noch in den 2000-Jahren sagte ein ehemaliger Bundessprecher der Grünen sinngemäß, es spreche nichts gegen ein Grundeinkommen, es müsse nur niedrig genug sein, damit es keinen zusätzlichen Konsum anrege.

Gibt es also doch den Widerspruch zwischen Ökonomie und Ökologie und ist er so zentral für unser Thema, dass man sich entscheiden muss? Wie hängen planetare Grenzen und Tagespolitik zusammen? Haben Wissenschaft und Politik einander etwas zu sagen, das auch im jeweils anderen Bezugssystem relevant ist? Oder ist das ganz falsch gefragt und die sozialökologische Transformation geht ganz anders, jenseits des Politikgeschäfts, durch das Handeln der Einzelnen?

23.09.2020 18.00-19.00 Uhr
mit: Adrienne Goehler, Publizistin, Kuratorin, Senatorin für Wissenschaft, Forschung, Kultur a.D., Renate Wapenhensch, Bundesfrauensekretärin IG BAU
Start bedingungsloser Grundeinkommen (BGE) in der gesamten EU
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